18.10.19 - Sünden in Schranken

Die Zahl der Sünden ist bis Freitag nur unwesentlich gewachsen. Da in den Herbstferien mal wieder meine S-Bahn nicht fährt, muss ich zum Hauptbahnhof. Anstelle die Straßenbahn zu nehmen, marschiere ich zu Fuß. So kommen täglich 40 zusätzliche Minuten auf mein Bewegungskonto.

Dann gibt es Firmenneuigkeiten. Leider gepaart mit einem Rest Karamellbonbons von der Messe, ich kann nicht wiederstehen und ärgere mich mal wieder furchtbar. Aber ab sofort gilt Alkoholverbot. Jippieh! Keine Geburtstag mehr mit Sekt, keine endlosen Frühstücke mehr mit Mettbrötchen und noch mehr Sekt, ich bin erleichtert über das Verbot, obwohl ich selbstverständlich die Entrüstete spiele.

14.10.19 - Ärger mit Pissnelkes

Der Sonntag war wenig spektakulär, nachdem ich am Samstag Pilze geputzt habe und dabei erfahren habe, dass das Sammeln in Deutschland auch nicht unbegrenzt möglich ist (nur für den Eigenbedarf), war ich fast den gesamten Sonntag im Dachgeschoss, eine Ofenladung wollte glasiert werden.

Zwischenzeitlich erzählt mir mein Mann, dass wir einen Brief vom Vermieter erhalten haben. Pissnelkes haben sich beschwert, die Töpferarbeiten machen zu viel Lärm.

Ich glaub es nicht. Ja, ich habe 2 x Ton geschlagen, als Pissnelkes zu Hause waren. Das dauert ungefähr so lange, wie das Einschlagen eines Nagels und ist in etwa genauso laut. Zwei Mal in einem Monat. Und ich habe – oh welche Sünde – Staub gesaugt. Wohlgemerkt, alles nicht etwa am Wochenende oder am Abend, nein, am Nachmittag.

Das wurde mit heftigem Trampeln und dem üblichen Türenknallen quittiert. Und jetzt sollen wir beim Vermieter zum Gespräch antanzen.

Wir weigern uns. Nach einem kurzen Hinweis, dass wir schon mehrfach erfolglos Gespräche hatten, verläuft die ganze Geschichte im Sande. Pissnelkes werden sich nicht ändern und wir werden nicht ausziehen. Trotzdem nervt so etwas immer wieder.

Ich möchte gern die vergangene Woche wieder wettmachen, aber noch klappt nichts so richtig. Am Montagabend komme ich um sieben nach Hause und die Küche ist kalt. Mein Mann hat sich in die Steuererklärung versenkt und das Kochen vergessen. Es gibt ein Brot.

Am Dienstagabend ist er nicht da, hat aber zehn Rouladen im Sondernagebot ergattert. Ich stehe den ganzen Abend in der Küche und mache Rouladen. Es gibt wieder ein Brot. So geht das nicht!

12.10.19 - ab in die Pilze

Mit meinen frisch aufgeladenen Firmenbatterien geht es aber erst mal ins Wochenende. Ich baue den ganzen Freitag Beziehungen auf.

Das ist bei uns das Code-Wort für Hausputz. Mein Mann behauptet, ich muss ab und an mal was für den Hausputz tun, damit ich die Beziehung zur Wohnung nicht verliere. Ich schaffe es gerade so, dann geht es am frühen Abend ab Richtung Muttern.

Wir haben mal wieder Karten für Frau Höpker, diesmal zusammen mit Eva. Das ist jetzt mein viertes Konzert und am Ende des Abends muss ich sagen, es war bislang auch mein bestes. Singen schüttet nun mal Glückshormone aus und gesungen haben wir aus vollem Hals. Damit gelingt es auch, den schwedenbesuch (fast) zu vergessen.

Ich bleibe direkt bei Mutter, denn es ist prächtiges Pilzwetter. Es ist warm, es hat geregnet, es gab letztes Wochenende im Ossiland Pilze, also warum nicht auch hier.

Wir fahren am Samstagmorgen Richtung Swalmen bis kurz vor die holländische grenze, weil in Holland das Pilzesuchen verboten ist. Mutter, die im Wald aufgewachsen ist, kennt sich aus.

Früher, ganz früher, waren wir (ich wurde gezwungen!) oft mit der Familie Pilze suchen. Es gibt fast nichts Schlimmeres für eine pubertierende Fünfzehnjährige, als sie Sonntag früh um sieben aus dem Bett zu werfen und sie im nasskalten schmutzigen Wald auszusetzen. Selbst wenn ich damals gewollt hätte, ich hätte aus lauter Protest keinen Pilz gefunden.

Diesmal aber habe ich tatsächlich Erfolg und damit ist mein Jagdinstinkt geweckt. Wir stapfen durch den Wald, ich vertraue auf den Orientierungssinn meiner Mutter (ich wäre verloren) und tatsächlich, die beiden Körbe füllen sich zusehends.

Ich habe ein wenig ein schlechtes Gewissen, weil ich dafür das Treffen schwänze. Aber ich habe Bewegung an frischer Luft, Pilze sind gesund und vor allem: Mutter ist selig. Es sind ja Herbstferien, da kann ich auch am Mittwoch zum Treffen gehen.

 

11.10.19 - aufgeladene Batterien

Im Anschluss ab Montag  verbringe ich die komplette Woche in Schweden.

 

Ich habe lange darauf gewartet, früher flog ich wesentlich öfter, aber in den letzten fünf  Jahren haben wir uns mit den europäischen Kollegen nur selten getroffen, und wenn, dann war es nicht in Schweden.

 

Ich rätsele eine Weile herum, was das soll. Warum ich, warum jetzt.

Das Geheimnis lüftet sich erst am letzten Tag, ich bin in einer Projektgruppe und – oh Schreck – in Zukunft bekommen wir eine Plattform, auf der unser aller Arbeit gemessen werden kann. Das wird einigen Leuten nicht gefallen.

 

Ich bekomme einige gute Ratschläge mit auf den Weg, was ich mit meinem blöden Chef machen soll, was ich mit meinem noch blöderen Filzbällchen machen soll und letztendlich werde ich das Gefühl nicht los, dass sie mich einfach mal wieder pampern wollten, damit ich wieder Spaß an meiner Arbeit bekomme.

 

Zu diesem Zweck wohne ich in meinem Lieblingshotel, werde zum Mittagessen und Abendessen ausgeführt, und das auch noch von Leuten, die allesamt zum Management gehören. Die Essen sind vom allerfeinsten, mehrere Gänge, die Kalorienbilanz ist ein Desaster, ich versuche, so gut es geht, Gänge auszulassen, aber manchmal entkommt man dem Ganzen eben nicht.

Als ich am Donnerstag gegen Mitternacht wieder zu Hause bin, stelle ich fest, dass sie es tatsächlich geschafft haben, meine „Firmenbatterien“ wieder aufzuladen. Ich bin gespannt, wie lange das anhält, aber ich freue mich fast darauf ab Montag wieder ins Büro zu gehen.

Aber jetzt kommt erst mal das Wochenende. Salat und Bewegung sind angesagt, irgendwie muss die Woche kompensiert werden.

 

 

 

 

05.10.19 - Rentnerparty

Wieder ziehe ich vor dem Frühstück brav meine Bahnen und lege auch eine Runde Aquafitness mit der Poolnudel ein.

Danach muss meine Mutter aus dem Haus geschafft werden, damit die anderen in Ruhe ihr Equipment aufbauen können. Es regnet und Mutter will unbedingt in den Wald, da es so viel Pilze geben soll.

Wir ziehen mit Korb und Messer los. Es dauert keine Viertelstunde, bis ich bis auf die Haut durchnässt bin, aber es gibt tatsächlich Pilze. Man kann das zwar nicht als Sport bezeichnen, wir gehen ganz langsam und scannen dabei den Boden, aber es ist immerhin besser, als in der Gaststube zu sitzen und kalorienreiche Getränke zu sich zu nehmen.

 

Ab drei Uhr steigt dann die große Party zum 85. Geburtstag. Kuchen. Sekt. Kuchen. Showeinlagen zu Ehren des Geburtstagskindes. Abendessen.

Wenigstens ist das Abendessen Buffet. Es gibt zwar keinen Salat, aber man kann die ganz fettigen Dinge umgehen. Trotzdem ist die Kalorienbilanz – ich trinke eine Menge Weißwein – alles andere als abnahmeförderlich.

04.10.19 - 3 E

Aber die Pension hat ein Schwimmbad und ich habe gleich zwei Badeanzüge eingepackt. Nach vor dem Frühstück – wir sind immer noch nicht auch nur zum Auspacken der Koffer gekommen – ziehe ich schon die ersten Bahnen.

Im Frühstücksraum sitzt meine Mutter und hält Hof. Anders kann man es nicht bezeichnen. Die Lautstärke ist exorbitant, ein Schwarm Rentner macht mehr Krach als ein Schwarm Kleinkinder. Das Frühstück besteht aus Brötchen. Wurst. Obst aus der Dose und gezuckertem Joghurt aus dem Becher. Ich wusste, dass es schwer werden wird an diesem Wochenende.

Gegen Mittag breche ich mit Mann und Mutter – die anderen sind längst unterwegs – auf nach Annaberg ins Spielzeugmuseum. Es ist ein wunderschönes Museum mit alten Holzspielzeug und vielen, vielen Erzgebirgsfiguren, Mutter ist selig und nach zwei Stunden sitzen wir in der dazugehörigen Chocolaterie. Ich kann mich knapp beherrschen, es gibt auch halbe kleine Törtchen, das muss reichen.

Dann noch ein weiteres Highlight: einen Ausflug zum kultigen „Karzl“, einer ansässigen Räucherkerzenfabrik mit Shopping.

Es wird tatsächlich sechs Uhr, ehe wir wieder in der Pension sind. Mutter haben wir bei ihrer Schwester aufgeworfen und wir betreten die Gaststube, die uns allein gehört.

Dieser Zustand währt nicht lange. Nach und nach trudeln alle anderen Geburtstagsgäste von ihren unterschiedlichen Ausflügen ein. Ein Bier folgt dem nächsten, unterbrochen vom berühmten „3 – E“, einem Schnaps, der sich „Edle EberEsche“ nennt und mich vor fünfzehn Jahren schon um meine Hochzeitsnacht gebracht hat.

Das Abendessen ist das kleinste aller Übel: Bot mit Schinken und Wurst. Morgen noch und es ist überstanden. Hoffentlich komme ich ohne Zunahme davon.

03.10.19 - Herausforderung

Das Wochenende wird eine echte Herausforderung. Viel Essen, viel Sitzen.

Viel fettes Essen vor allen Dingen.

Nach fünfstündiger Fahrt, nur unterbrochen von einer Bratwurst an der legendären Bratwurstbude an der A4, kommen wir im Erzgebirge an. Zur Begrüßung gibt es erst einmal ein Bier. Wir sitzen schon wieder.

Dann ab zu meiner Tante. Pflaumenkuchen. Sitzen. Ich halte mich an meiner Kaffeetasse fest, aber ich muss wenigstens mal probieren. Gott sei Dank sind hier die Kuchen meist vom Blech und in Stücke geschnitten, die etwa die Größe einer Streichholzschachtel haben. So kann man unauffällig ein winziges Stück Pflaumenkuchen essen, hat den Teller schmutzig gemacht und ist ansonsten fein raus. Der Kuchen – meine Tante backt göttlich – ist mega-lecker, aber wir sind gleich zum Abendessen verabredet, mit Cousin und Cousine, die leider morgen in Urlaub fahren und daher auf der Geburtstagsfeier meiner Mutter nicht dabei sein können. Daher heute Abend Essen im Restaurant.

Gutbürgerlich ist noch geschmeichelt, deftig-ländlich trifft das Ganze schon eher. Ich bestelle Sauerbraten, bekomme Rinderbraten, alles ertränkt in Sauce, Klöße, Rotkohl. Gesund geht anders, aber gesund geht hier nicht.

Aber der Abend lohnt jede Sünde. Wir sehen uns leider nur selten, 500 Kilometer sind eben zu viel, aber wir ratschen und tratschen und die Männer trinken einen Mirabellenschnaps nach dem anderen. Da mein Mann hierher gefahren ist, bekomme ich den Fahrdienst für die Heimfahrt. Trotzdem sieht auch meine Kalorienbilanz nach dem heutigen Abend übel aus.

02.10.19 - die Vorsätze

Die Woche wird weitergekämpft. Montag läuft gut und zu meinen Vorsätzen gehört: Montags nach dem Yoga nichts mehr essen.

Prompt habe ich nach dem Yoga diesmal einen Riesenhunger.

Ich schaffe es, mich mit zwei Scheiben gekochtem Schinken und zwei Scheiben rohem Schinken zu begnügen. Das ist immerhin besser, als zwei Brote mit Schinken.

 

Am Dienstag haben wir Premierenkarten für die Lichtburg für die „Deutschstunde“.

Mein Mann und ich verabreden uns in der Stadt und wollen vorher etwas essen gehen. „Etwas“ ist in diesem Fall ein Salat. OHNE Pizzabrötchen.

Ich bestelle die Brötchen sofort ab, damit ich gar nicht erst in Versuchung gerate. Dummerweise bestellt mein Mann Pizza, die er nicht aufisst. Nein, ich esse nicht die gesamten Reste, aber doch einen Streifen. Und die halbe Tüte Studentenfutter, die er für die Kinovorstellung gekauft hat.

Mist. So geht das nicht.

 

Am Mittwoch kommt wieder ein Vorsatz, der in die Tat umgesetzt werden will: ab Oktober mindestens einmal pro Woche schwimmen gehen. Der Tag, an dem das umgesetzt werden kann, ist der Mittwoch.

Ausgerechnet! Nach der Kinopremiere, die wirklich wunderbar war, Ulrich Noethen und Tobias Moretti und und und, der Film war toll und mitsamt dem Blitzlichtgewitter war es halb zwölf, bevor ich im Bett war.

Um halb sechs klingelt der Wecker und ich hasse die Idee, schwimmen zu gehen. Aber ich stehe auf.

Das nächste Mal hasse ich die Idee von ganzem Herzen, als ich im Schwimmbad unter der kalten Dusche stehe. Dann aber ist alles ok.

Morgen werden wir ins Ossiland fahren. Das bedeutet wenig Bewegung und fettes Essen. Ich bin gespannt, was Montag die Waage sagt. Tagebuch geführt wird aber auf alle Fälle.

28.09.19 - spontan

Ich fahre ins Treffen, zugegeben, mit etwas Bauchschmerzen. Allein die Waage richtet mich heute Morgen auf, sie zeigt so Erfreuliches, dass ich gleich drei Mal draufgehen muss, um es zu glauben.

Im Treffen gibt es auch noch Beifall für den ambitionierten Plan. Das motiviert sehr, außerdem bietet mir Annika separat nochmals Unterstützung an.

Prompt kommt direkt am ersten Abend „etwas“ dazwischen. Das Etwas sind Axel und Gabi, die wir ewig nicht mehr gesehen haben. Am Nachmittag tickert Gabi mich an und fragt, wie spontan wir denn wären.

Nun, sie hat sich zielsicher den einzigen freien Abend der nächsten Wochen herausgesucht, also können wir sehr spontan sein.

Wir verbringen einen wunderschönen Abend und sitzen dabei aber leider vor einer großen Schüssel Nachos, was mir nicht gerade bekommt. Ich trage sie aber brav ins Tagebuch ein.

27.09.19 - Premiere

Und da war dann noch…

…die Vorstellung des zweiten Mutterbuches

 

Ich habe wieder Lampenfieber. Dabei ist das völlig unnötig. Prüfungsangst etc., schön und gut, aber das Lesen werde ich schon nicht verlernt haben.

Meine Mutter sitzt völlig entspannt neben mir und freut sich auf ihren Auftritt. Sie genießt sicherlich die gesamte Aufmerksamkeit und allein dafür hat sich die Sache gelohnt.

 

Wenn ich in Essen eine Lesung mache (sicher nicht mehr in diesem Jahr, aber im Januar oder Februar bestimmt) müsst ihr alle kommen!

 

Damit ist dann auch dieses Projekt „abgearbeitet“.

26.09.19 - Der Plan

 

 1.    Wochenplanung für Essen freitags und sonntags

       Schwerpunkt: Gemüse + Low Carb

 2.    Tägl. Trinken 1,5 l Wasser oder Tee

 3.    Nur 1 x / Woche Brot/Brötchen zum Frühstück, sonst Joghurt mit Obst, am Wochenende Ei mit Schinken etc.

 4.    Ab Oktober Mittwoch und Freitag zum Schwimmen

 5.    Ab Mitte November zusätzlich FitX Dienstag und 1 x am Wochenende

 6.    Tagebuch (handschriftlich)

 7.    Alkohol reduzieren

 8.    Kein Abendessen montags nach dem Yoga und mittwochs nach dem Töpfern

 9.    Nur 1 x / Woche wiegen (montags)

10.  Verzicht auf Süßigkeiten und/oder Chips

11.  Zum Treffen gehen

25.09.19 - Der Entschluss

Aber wie soll ich das alles bewerkstelligen?

Am Montag stelle ich erst mal den Status Quo fest. Nun, nicht so erfreulich, aber auch kein Desaster.

 

Ich weiß nicht alles, aber viel darüber, wie man abnimmt.

Ich habe das beste Coaching, was man sich vorstellen kann. Das ist keine Schmeichelei.

Ich habe Gruppenunterstützung und viele nette Leute kennengelernt.

 

Das Einzige, woran es fehlt, ist mein Wille und mein Durchhaltevermögen.

 

Mein privater und auch mein beruflicher Kalender sind bis zum Jahresende rappelvoll. Daran wird sich nichts ändern. Keine Zeit ist kein Argument.

 

Ich fasse einen Entschluss. Wenn ich es bis zum Jahresende nicht geschafft habe, signifikant abzunehmen, höre ich auf.

22.09.19 - Nicht aufgeben!

Die Schonzeit ist vorbei. Morgen muss ich wieder funktionieren.

Das bedeutet, morgen muss ich wieder arbeiten gehen. Morgen gehe ich wieder zum Yoga. Ab morgen gibt es geregelte Aufstehzeiten, Yogakurs, Töpfergruppe, Töpferkurs, am Freitag ist die Premieren-Lesung des zweiten Mutterbuches, kurz gesagt: ab morgen beginnt das normale Leben wieder.

Ich habe mir viel vorgenommen, ich hatte ja Zeit genug, nachzudenken.

Eva meint, ich sollte mich endlich so annehmen, wie ich bin. Vielleicht hat sie Recht.

Aber: das würde für mich auch bedeuten, aufzugeben. Ich will doch nichts weiter, als mich gesund ernähren und mich gern bewegen. Das kann nicht verkehrt sein.

Ich werde nicht aufgeben.

09.09.19 - Verlängerung

Heute habe ich eine Woche „Verlängerung“ bekommen, ich darf weiter zu Hause bleiben. Nachdem ich seit der OP nichts weiter gemacht habe als Fernsehen und Schlafen komme ich langsam zumindest im Kopf ins normale Leben zurück.

Ich hoffe, niemand ist mir böse. Ich mache sonst jeden Mist mit, aber diesmal ging es nicht. Ich will nur noch gesund werden, wieder laufen können und dann kommt alles andere auch.

07.09.19 - Hingeschmissen

Ich schmeiße hin. Ich schmeiße die dreißig Tage Challenge einfach hin. Ich kann nicht und ich will nicht. Diesmal nicht.

Ich will einfach nur laufen. Wenigstens bis ins Bad. Wie soll ich abnehmen, wenn ich auf dem Sessel sitze und in den Fernseher glotze? Mein ganzer Körper konzentriert sich auf den blöden Fuß. Dabei soll ich mir Gedanken machen über Essenspläne, Gemüsemengen, soll chatten und planen. Nein, diesmal will ich nicht. Es tut mir leid, aber ich ziehe die Reißleine und schmeiße die Challenge hin.

06.09.19 - Post-OP

Ich bin wieder zu Hause. Abe so habe ich mir das nicht vorgestellt. Jeder sagt, dass Schrauben entfernen ist viel weniger schlimm als das Schrauben einbringen. Das mag ja sein, aber im Moment fühlt es sich nicht so an.

Es tut weh. Wenigstens habe ich nur einen Druckverband und keine Orthese. Aber ich kann keinen Schritt ohne die Krücken gehen.

02.09.2019 - auf Spur

Dann ist es geschafft.

Nach fast vierzehn Stunden Arbeit breche ich endgültig vor dem Sonntags-Tatort zusammen.

Ich bin vollkommen erledigt, der Keramikstand auf dem Kreativmarkt Margarethenhöhe war sehr schön, wir sollen nächstes Jahr unbedingt wiederkommen, es waren eine Menge Leute da und mein Mann und ich haben ununterbrochen erklärt, erklärt, erklärt. Dann wieder eine halbe Tonne Keramik verladen, die Tische und Hocker wieder ins Dachgeschoss geschleppt, meine Füße tun mordsmäßig weh von der vielen Steherei und ich bin einfach nur erledigt.

Wenn Annika mich jetzt anzickt, warum ich bei einer Challenge anmelde und dann nicht mitmache, schmeiße ich die Brocken hin.

Tut sie aber nicht.

 

 

Am Montag sieht die Welt schon wieder besser aus. Ich habe acht Stunden wie tot geschlafen und kein Chef ist im Büro. Da kann ich dann mal endlich auf die Challenge-Seite gucken.

Himmel. Alles verpasst. Dazu geht Seite um Seite im Schneckentempo auf. Der Zugang vom Büro aus ist gesperrt, ich bin damit auf das Handy angewiesen. Selbiges liegt den Vormittag vor mir und ich klicke und warte dann eine Viertelstunde, bis die entsprechende Seite sich endgültig öffnet. Ich weiß nur nicht, ob das an Annikas Programmierung oder an meinem Handy liegt. Ich vermute mal, letzteres.

Was habe ich alles verpasst! Mist. Ich klicke mich durch „erledigt“, obwohl es nicht stimmt, aber nachholen kann ich auch nichts. Am späten Vormittag bin ich endlich bei der heutigen Aufgabe angelangt und da ich „nur“ Gewichte posten muss, kann ich die auch erledigen. Dann schaue ich noch in die morgige Aufgabe. Ich muss meine Wassermenge um 1 l erhöhen. Das ist zu schaffen.

Ich hoffe, ich bin jetzt wieder auf Spur. Am Mittwoch ist die OP, ich hoffe weiterhin, dass dann nicht ausgerechnet eine Bewegungsaufgabe kommt.

31.08.19 - Morgen auf die Margarethenhöhe

Warum kommt immer alles auf einmal? Meine ToDo für dieses Wochenende umfasst locker zwei Seiten. Es ist aber eine „must do“, denn ich weiß, am Mittwoch geht es ins Krankenhaus zur Schraubenentfernung und vorher ist noch unendlich viel zu regeln.

 

Und in dieser Situation lasse ich mich von Annika zur 30-Tage-Challenge überreden.

Es gibt keinen schlechteren Zeitpunkt. Aber natürlich hat sie Recht, 100 g für vierzehn Tage reichen nun mal nicht. Nur „Gas geben“ ohne Fuß – wie soll das gehen?

Ich beschließe, nicht mehr zu denken, sondern zu machen. Es bleibt mir ohnehin nichts anderes übrig.

Ich bin nervös.

Mega-nervös.

Nein, nicht wegen der Challenge, nicht wegen der OP, nicht wegen des zweiten Mutterbuches, nicht wegen des Chefwechsels, den es auch noch gab, nein, am Sonntag ist

 

KREATIVMARKT AUF DER MARGARETHENHÖHE

 

Wir sind zum ersten Mal mit der Keramik dabei. Es ist ja nicht unserer erster Markt, aber eben der erste in Essen und ich würde mich wirklich riesig freuen, wenn der eine oder andere mal vorbeikäme.

25.08.19 - Große Ereignisse

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.

Ich habe derzeit gleich mehrere davon. Am 01.September ist auf der Margarethenhöhe Kreativmarkt und mein Mann und ich sind dort erstmals mit der Keramik vertreten. Dann ist Ende September die Premiere des zweiten Mutter-Buches. Und letztendlich müssen im September auch noch die Schrauben aus dem Fuß.

Aber dieses Wochenende sind wir beide erst mal in anderer Mission unterwegs. Unser gemeinsamer Freund Arnold ist verschwunden. Wir sind seit über zwanzig Jahren befreundet, auch wenn er vor einigen Jahren zu seiner Freundin nördliche von Xanten gezogen ist. Aber wir trafen uns immer, wenn er länger in Essen war, und er rief jedes Jahr zu unseren Geburtstagen und zum Hochzeitstag an. Immer.

 

Nur in diesem Jahr nicht. Er ist siebzig geworden, genau wie mein Mann, aber er ist telefonisch nicht zu erreichen. Weder am Geburtstag noch in den Wochen danach.

Wir machen uns Sorgen. Arnold, der sein ganzes Leben Raubbau mit seiner Gesundheit getrieben hat (ich sage nur: literweise Cola!), war zuletzt nach Herzinfarkt und Schlaganfall mit einer schweren Magen OP wegen Magen- und Darmkrebs im Krankenhaus in Essen. Er ist übrigens derjenige, der immer annahm, er wiegt 130 Kilo. So lange, bis er feststellte, dass die Waage nur bis 130 Kilo ging. In Wirklichkeit waren es noch mal zwanzig Kilo mehr.

Jedenfalls ist er weg.

Wir machen uns auf nach Bedburg-Hau. Mein Mann hat Angst, dass sein Freund nicht mehr lebt. Ich glaube eher, dass er nach einem weiteren Schlaganfall als Pflegefall irgendwo im Heim ist.

Als wir dort ankommen, kommt uns seine Freundin im Garten entgegen. Sie ist sichtlich baff, uns zu sehen. „Wie oft haben wir von euch gesprochen!”

Ja und?

„Wartet einen Moment!”

Und dann kommt Arnold durch die Tür. Sichtlich wackelig, aber auf eigenen Beinen und sechzig Kilo leichter.

 

Wir fallen uns um den Hals. Beide Männer haben Tränen in den Augen. Das sprechen fällt Arnold schwer nach dem Schlaganfall, er ist alles andere als gesund. Das ist auch der Grund, warum er sich total verkrochen hat und niemanden mehr sehen oder sprechen wollte. Aber er hat sich riesig gefreut, uns zu sehen -  und: er ist noch da.

21.08.19 - Rocky Horror

 

 

Das Fazit nach Annikas Urlaub lautet 100 g. Allerdings nicht pro Tag, sondern für 14 Tage. Nun ja. Besser eine kleine Abnahme als keine.

Ich weigere mich allerdings, auf die Waage zu gehen. Das Gewicht stammt vom Netto-Ergebnis heute morgen, es stimmt also, es wird nicht gemogelt. Aber wir wollen gleich ins Freilichtkino, ich habe also eine dicke Jeans an, Turnschuhe, Socken, Strickjacke (gut, die könnte ich ja ausziehen), aber insgesamt viel mehr als vor vierzehn Tagen. Und ich habe bereits zu Abend gegessen, damit ich nachher ja nicht  in Versuchung geführt werde. Gestern waren die Weiber da, es gab Sommerrollen und Bang Bang Blumenkohl nach Dennis Rezept, heute die Reste.  Es kommt die Rocky Horror Picture Show.

Es gibt ein paar Frischlinge, aber Annika und ich können alles mitsingen. Leider dürfen wir nicht alles mitspielen, da man doch sehr bittet, nicht mit Reis zu werfen. Trotzdem, es gibt Zuschauer, die sind bestens ausgerüstet.

Mir gefällt die Stimmung im Sommerkino. Ich glaube, ich möchte noch mal hin, es gibt noch eine Menge guter Filme. Und nächstes Jahr, wenn wir alle zwanzig Kilo abgenommen haben, gehen wir alle verkleidet. :-)